Wie gut kennen Sie sich selbst?

Wie gut kennen Sie sich selbst?

Faruk Nafiz Sevinç

Was ist „Selbsterkenntnis“, und welchen Nutzen bringt sie? In diesem Beitrag möchte ich Methoden und Strategien vorstellen, die Ihnen helfen, sich selbst besser kennenzulernen.

Sich selbst kennen

Ich denke, wir können mit einer kurzen Definition in das Thema einsteigen: Selbsterkenntnis bedeutet, dass sich ein Individuum seines wahren Selbst bewusst wird. Doch welche genaue Bedeutung verbirgt sich dahinter? Selbsterkenntnis geht Hand in Hand mit Selbstbeobachtung und Selbstreflexion – das heißt, eine Person denkt über sich selbst nach und gewinnt Erkenntnisse über ihr eigenes Wesen. Selbstbewusstsein, also die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung, ist eine grundlegende Voraussetzung für die Selbsterkenntnis.

Fehlen jedoch laut Experten Elemente wie Selbstbeobachtung, Selbstwahrnehmung und die bewusste Reflexion des eigenen Ichs, kann das Selbstbild verzerrt werden und sogar zu Selbsttäuschung führen. Eine solche Täuschung kann in unterschiedlichem Ausmaß auftreten – von einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Empathiefähigkeit bis hin zu Störungen der bewussten Urteilskraft.

Was bedeutet diese Wahrnehmung für mich?

Das Fehlen von Selbstwahrnehmung ist natürlich nicht zwangsläufig ein Zeichen von Selbsttäuschung. Sich des eigenen Selbst bewusst zu werden, ist oft ein Prozess, der nicht über Nacht abgeschlossen ist. Ein Teil des Weges und des Zieles der Selbsterkenntnis besteht darin, zu lernen, sich selbst zu hinterfragen, sich besser zu verstehen und Verhaltensweisen wie Selbstabwertung oder Überheblichkeit abzulegen. Indem Sie sich selbst kennen, wissen Sie, wer Sie wirklich sind – und das ist manchmal gar nicht so einfach: Gesellschaftlicher Druck und steigende Erwartungen an sich selbst machen das Leben phasenweise schwer. Daher wird es Ihnen sehr helfen, die folgenden Fragen beantworten zu können.

Wer bin ich?

Was gefällt mir?

Was brauche ich?

Die Antworten auf diese Fragen sind entscheidend, denn wer sich selbst kennt und weiß, was er von sich und dem Leben erwartet und braucht, nimmt sein Leben in die Hand, schreitet selbstbewusster auf seine Ziele zu und lernt, mit eigenen Misserfolgen umzugehen. Sich selbst zu kennen, kann es Ihnen auch erleichtern, sich in andere hineinzuversetzen und dadurch Ihre Beziehungen zu Ihren Mitmenschen zu verbessern.

Doch ist es wirklich so einfach, Antworten auf diese Fragen zu finden? Im Folgenden gehe ich auf Strategien ein, wie Sie eine bessere Selbstwahrnehmung erlangen können.

Strategien zur Selbsterkenntnis

  1. Hören Sie auf, sich selbst zu sabotieren

Sind Sie sich schon einmal selbst im Weg gestanden? Wahrscheinlich kennt jeder eine Situation, in der er sich bewusst oder unbewusst selbst sabotiert hat. Warum neigen wir zu diesem Verhalten? Selbstsabotage kann durch Verhaltensmuster, Ängste (wie die Angst vor Veränderung) oder falsche Glaubenssätze verursacht werden. Haben Sie das Gefühl, sich ständig zu wiederholen, vom Pech verfolgt zu sein oder immer wieder an die falschen Menschen zu geraten? All dies können Situationen sein, in denen uns negative Erfahrungen intensiver in Erinnerung bleiben und uns mitreißen. Dadurch wird der Blick auf das große Ganze versperrt, sodass wir den Mut verlieren oder uns selbst an einer objektiven Bewertung hindern.

Mithilfe von Selbstbeobachtung und Selbstreflexion können Sie solchen Denkmustern auf den Grund gehen, lernen, sich selbst besser zu verstehen, und negative Muster oder Glaubenssätze auflösen.

– Wenn Sie einen negativen Gedanken über sich selbst haben, hinterfragen Sie dessen Gültigkeit, indem Sie nach Beispielen suchen, die genau das Gegenteil beweisen –

  1. Vergleichen Sie Ihr Selbstbild mit Ihrem Fremdbild

Ob bewusst oder unbewusst: Jeder Mensch hat ein Bild von sich selbst, und auch andere nehmen Sie auf ihre eigene Weise wahr. In der Regel stimmen Selbstbild und Fremdbild nicht zu hundert Prozent überein – wie sollten sie auch? Nicht jeder kann alles über Sie wissen, und manche Aspekte bleiben Ihnen selbst verborgen (der sogenannte blinde Fleck). Wenn die beiden Bilder jedoch stark voneinander abweichen, ist das ein guter Anlass, sich nach den Gründen zu fragen.

Halten Sie sich für besonders großzügig, aber Ihre Freunde verdrehen die Augen, wenn Sie das erwähnen? Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie nicht großzügig sind. Vielleicht leben Sie diese Seite eher im Kreis der Familie aus? Aber womöglich liegt in der Reaktion Ihrer Freunde auch ein Fünkchen Wahrheit? Versuchen Sie daher, Ihr Selbstbild möglichst objektiv mit der Wahrnehmung anderer zu vergleichen. Und denken Sie daran: Wie andere Sie sehen und wie Sie sich selbst wahrnehmen, beeinflusst sich gegenseitig. Wenn Ihnen seit Ihrer Kindheit gesagt wurde, Sie seien unsportlich, werden Sie das wahrscheinlich auch als Erwachsener weiter glauben, selbst wenn es gar nicht der Realität entspricht. (Das gilt natürlich auch für positive Eigenschaften.) Das Hinterfragen und Vergleichen beider Bilder kann Ihnen helfen, tiefere Selbsterkenntnis zu erlangen.

– Holen Sie Feedback ein, konfrontieren Sie sich mit der Fremdwahrnehmung und definieren Sie bei Unzufriedenheit einen persönlichen Entwicklungs- oder Veränderungsplan –

 

  1. Suchen Sie nach Antworten in Ihrem Inneren

Wenn ich erst den perfekten Job habe... wenn ich mein Traumhaus kaufe... wenn die Person, in die ich verliebt bin, mich endlich bemerkt... – dann bin ich vollkommen, dann werde ich endlich glücklich sein! Wenn Sie genau hinsehen, steckt dahinter immer eine äußere Erwartungshaltung. Viele erfolgreiche Menschen suchen das Glück nicht nur im Außen, sondern in sich selbst. Solche externen Faktoren können natürlich zu unserem Glück und unserer Zufriedenheit beitragen, aber nachhaltiges Glück ist letztlich nur möglich, wenn wir uns selbst kennen und unseren eigenen Wert schätzen.

– Koppeln Sie sich und Ihr Glück nicht an externe Faktoren! –

 

  1. Selbstreflexion

Bei der Arbeit an den bisher genannten Strategien bauen Sie bereits eine Praxis der Selbstreflexion auf. Je nachdem, in welchem Bereich Ihnen die Selbstwahrnehmung schwerfällt, können Ihnen zusätzliche Fragen weiterhelfen. Hier sind ein paar vermeintlich einfache, aber tiefgründige Fragen zum Nachdenken:

Wofür schlägt mein Herz?

Wer ist mir wirklich wichtig und warum?

Wofür bin ich eigentlich dankbar?

Was schätze ich an mir selbst?

Nach welchen Werten möchte ich leben?

Was waren meine bisher größten Erfolge?

Was brauche ich, um meine Ziele zu erreichen?

Wie bewerte ich eine bestimmte Situation (z. B. einen Konflikt) im Rückblick?

Würde ich wieder genauso handeln, und warum (nicht)?

Was kann ich tun, um meinen Körper und meinen Geist zu stärken?

Wann habe ich das Gefühl, ganz ich selbst zu sein?

– Schreiben Sie Ihre ehrlichen Antworten auf diese Fragen auf und geben Sie sich Zeit, immer wieder darüber nachzudenken –

 

  1. Seien Sie authentisch

Authentisch oder echt zu sein ist eine Eigenschaft, die sich leicht ausspricht, aber nicht immer einfach in die Tat umzusetzen ist. Denn Authentizität kann manchmal an den Erwartungen anderer oder an eigenen Ängsten scheitern, sodass wir uns in Reaktionen wiederfinden, die wir eigentlich nicht zeigen wollten. Wenn gesellschaftlicher Druck oder die Angst vor Ablehnung Sie jedoch daran hindern, Ihr eigenes Leben zu leben, wird Sie nichts auf dieser Welt dauerhaft glücklich machen. Verfolgen Sie daher Ihre Werte und Ziele und hinterfragen Sie diese von Zeit zu Zeit, denn manchmal benötigen sie ein persönliches Update. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und erlauben Sie sich, einfach Sie selbst zu sein.

– Definieren Sie für sich einen höheren Lebenszweck (High Purpose), der mit Ihren Werten übereinstimmt, sodass Sie schon das Streben nach diesem Ziel glücklich macht –

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