Die Gehirn-Ökonomie
Obwohl der Begriff der Gehirn-Ökonomie Assoziationen mit dem Phänomen der Abwanderung von Fachkräften (Brain Drain) und dessen wirtschaftlichen Auswirkungen wecken mag, möchte ich von vornherein klarstellen, dass er nicht direkt mit diesem Thema zusammenhängt.
Was ist es also dann?
Die Gehirn-Ökonomie konzentriert sich auf die Fähigkeiten und Potenziale des menschlichen Gehirns. Eigenschaften wie Selbstregulierung, emotionale Intelligenz, Kreativität, Mitgefühl, Altruismus, Systemdenken und kognitive Flexibilität gehören zu den am stärksten vertretenen Merkmalen. Laut der OECD sind diese Fähigkeiten in einer digitalen Wirtschaft, die in hohem Maße von einer guten Gehirngesundheit abhängt, von entscheidender Bedeutung. Der Themenbereich, unter dem die wirtschaftlichen Auswirkungen beim Fehlen jedes einzelnen dieser Faktoren unter die Lupe genommen werden, wird als Gehirn-Ökonomie bezeichnet. Wenn wir bedenken, dass wir weltweit von einem jährlichen wirtschaftlichen Verlust von rund 1 Billion Dollar sprechen, wird die Bedeutung des Themas noch besser verständlich.
Stress ist die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, auf Bedrohungen seines Überlebens zu reagieren. Da ihn jeder Mensch unterschiedlich wahrnimmt, ist er subjektiv. Dennoch gibt es bestimmte Situationen, die unsere Anfälligkeit für Stress erhöhen, wie etwa Schlafmangel, übermäßige Arbeitszeiten oder eine ungesunde Lebensweise.
Laut Berichten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erhöht beispielsweise eine Arbeitszeit von 55 oder mehr Stunden pro Woche das Risiko für ein negatives kardiovaskuläres Ereignis um 35 %, während eine Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden pro Woche das Risiko, an einer ischämischen Herzkrankheit zu sterben, um 17 % steigern soll.
Eine der Folgen eines gestressten Gehirns sei die Entkopplung des orbitofrontalen Ureals, eines Bereichs, der mit der Entscheidungsfindung verknüpft ist. Auch die Schaltkreise, die mit der Emotionsregulation und dem Gedächtnis zusammenhängen, würden sich abschalten.
Dieser Umstand stützt die Erkenntnis, warum Menschen, die unter zu viel Stress arbeiten, aufgrund von steigenden Aggressionen und Toxizitätswerten in ihrem Körper in ihrer Arbeit und Gesundheit negativ beeinträchtigt werden.
Zudem kann Arbeitsstress ebenso wie andere negative Angewohnheiten wie eine sitzende Lebensweise und Rauchen zu schlechter Ernährung und erhöhten Cholesterinspiegeln führen, was wiederum Faktoren sind, die einen zerebralen Infarkt verursachen können.
In Unternehmen zielt die Gehirn-Ökonomie darauf ab, Herzinfarkte und Schlaganfälle, Fettleibigkeit und Süchte, Depressionen und Angststörungen sowie chronischen Stress und das Burnout-Syndrom zu reduzieren.
Laut Daten des Beratungsunternehmens Gallup und des McKinsey Health Institute, die vom Tec Institute veröffentlicht wurden, zeigen sich die Vorteile positiver Führungskräftestratgien und gesunder Arbeitsumgebungen in Form von 66 % weniger Krankheitstagen, einem Rückgang der Mitarbeiterfluktuation um 55 %, einer Verringerung der Fehlzeiten um 41 %, einer Reduzierung fehlerhafter Produktion um 40 % und einer um 125 % geringeren Wahrscheinlichkeit von Burnout.
Wie steuern wir also die Gehirn-Ökonomie?
Hier ist das Rezept!
Laut WHO kann ein besseres Arbeitsumfeld durch Führung und Entschlossenheit geschaffen werden – beispielsweise durch die Integration von psychischer Gesundheit in die Arbeitspolitik (indem Dienste für psychische Gesundheit und Beschäftigung Unternehmen mit weniger Ressourcen zur Verfügung gestellt werden), die Harmonisierung von Arbeitsgesetzen und -vorschriften mit internationalen Menschenrechtsabkommen sowie die Durchsetzung von Nichtdiskriminierungsrichtlinien am Arbeitsplatz.
Wenn man bedenkt, dass die jährlichen Kosten psychischer Erkrankungen und des dadurch entstehenden Arbeitskraftverlusts für die Weltwirtschaft 1 Billion Dollar betragen (Quelle: WHO), müssen in diesem Bereich aufrichtige Schritte unternommen werden. Sowohl offizielle Institutionen als auch Unternehmen und Arbeitnehmer müssen alle ihren Teil beitragen, was für eine nachhaltige Zukunft von entscheidender Bedeutung ist.