Aktives Lernen und Lernstrategien
In unserem vorherigen Artikel haben wir besprochen, warum die Fähigkeit „Analytical Thinking and Innovation“ (Analytisches Denken und Innovation) zu den wichtigsten Kompetenzen der Zukunft gehört. In diesem Beitrag widmen wir uns dem Thema „Aktives Lernen und Lernstrategien“, das auf der Liste der Zukunftsfähigkeiten des World Economic Forum an zweiter Stelle steht. Aktives Lernen ist ein Lernansatz, bei dem sich der Einzelne aktiv am Lernprozess beteiligt und das Wissen durch Anwendung verinnerlicht. Lernstrategien hingegen sind Gesamtheiten von Methoden, die planen, wie wir Wissen aufnehmen und wie wir diese Informationen nutzen. Um diese Konzepte besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Fachliteratur. In Michael Princes Studie „Does Active Learning Work? A Review of the Research“ wird aktives Lernen als eine Methode definiert, die die Beteiligung und Interaktion der Lernenden steigert, während Lernstrategien als die Methoden und Techniken erklärt werden, die zum Erreichen von Lernzielen eingesetzt werden.
Warum ist es so wichtig?
Aktives Lernen und Lernstrategien sind im sich rasant verändernden Informationszeitalter von vitaler Bedeutung. Das Weltwirtschaftsforum betont, dass Einzelpersonen aufgrund des technologischen Fortschritts und der digitalen Transformation kontinuierlich neue Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben müssen. Es gibt mehrere Gründe, warum diese Kompetenzen an Bedeutung gewinnen. Erstens ist die Geschäftswelt dynamischer und komplexer geworden. Damit sich die Belegschaft an schnell verändernde Technologien und Marktbedingungen anpassen kann, sind aktives Lernen und effektive Lernstrategien unerlässlich. Zweitens spielt das Konzept des lebenslangen Lernens eine zentrale Rolle in der Karriereentwicklung und der persönlichen Entfaltung. Es reicht im Zeitalter des sich schnell veraltenden Wissens nicht mehr aus, sich nur auf ein einzelnes Universitätsdiplom oder eine Ausbildung zu beschränken. Aus diesem Grund betrachtet das World Economic Forum diese Fähigkeiten als kritisch für die Arbeitskräfte der Zukunft.
Wie lässt sich diese Fähigkeit entwickeln?
Zur Entwicklung von aktivem Lernen und Lernstrategien können verschiedene Methoden eingesetzt werden. Eine der ersten Methoden, die einem in den Sinn kommen, ist das problembasierte Lernen (PBL). Bei dieser Methode lernen die Teilnehmer, indem sie an realen Problemen arbeiten. Darüber hinaus ermöglicht das kollaborative Lernen als weitere klassische Methode das Erwerben von Wissen und Fähigkeiten durch Gruppenarbeit. Das ebenfalls weit verbreitete selbstgesteuerte Lernen beinhaltet, dass Einzelpersonen ihre eigenen Lernprozesse planen und steuern. Als weitere Methode sticht das Flipped-Classroom-Modell (umgedrehter Unterricht) hervor. Bei diesem Modell erfolgt die traditionelle Wissensvermittlung zu Hause über Videos oder Lesematerialien, während die Unterrichtszeit für praktische Aktivitäten reserviert ist. Schließlich bieten Simulationen und Rollenspiele die Möglichkeit, komplexe Prozesse und Interaktionen zu erfahren, was das Lernen effektiver gestaltet. Selbstverständlich lassen sich noch weitere Methoden und Anwendungen aufzählen. Wenn es jedoch um die Entwicklung von Fähigkeiten geht, dürfen wir unabhängig von der gewählten Methode die Bedeutung der Festigung durch „Wiederholung“ nicht vergessen.
Herausragende Beispiele
Es gibt viele Personen und Institutionen, die mit aktivem Lernen und Lernstrategien identifiziert werden. Zum Beispiel ist die Khan Academy eine Bildungsplattform, die für ihr Flipped-Classroom-Modell bekannt ist. Die von Sal Khan gegründete Plattform bietet Lernenden die Möglichkeit, in ihrem eigenen Tempo zu lernen, und schafft mehr Zeit für Aktivitäten im Unterricht. Als weiteres Beispiel bieten renommierte Universitäten wie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studierenden Möglichkeiten zum problembasierten Lernen, um deren analytische und kritische Denkfähigkeit zu fördern. Zudem erleichtern Online-Bildungsplattformen wie Coursera und edX Millionen von Menschen den Zugang zu Wissen, indem sie Möglichkeiten für selbstgesteuertes und kollaboratives Lernen bieten.
In diesem Artikel haben wir behandelt, was aktives Lernen und Lernstrategien sind, warum sie so wichtig geworden sind und wie wir diese Fähigkeiten entwickeln können. Dass das World Economic Forum diese Fähigkeiten zu den kritischsten Kompetenzen der Zukunft zählt, zeigt einmal mehr, wie essenziell kontinuierliches Lernen und Anpassungsfähigkeit in unserer sich schnell verändernden Welt sind. Im nächsten Teil unserer Blogserie werden wir die Fähigkeit „Complex Problem-Solving“ (Komplexe Problemlösung) behandeln. Bleiben Sie dran!